Manchmal sind die Momente, die am schönsten werden sollen, genau die, die die dunkelsten Schatten werfen. Momente, in denen ein Wort gesagt werden müsste – und Stille bleibt. Erfahrungen, die medizinisch erklärbar sind, lassen sich innerlich oft nicht sortieren, wenn ihnen kein Raum gegeben wird. Wenn Schweigen größer ist als ein „Es tut mir leid“. Diese Momente begleiten einen. Sie machen nicht laut. Sie stumpfen ab. Das Schmerzgefühl wird überlagert – wie eine Nebeldecke, die sich zwischen den Schmerz und die Vergangenheit legt.
Ein Schnitt ohne Wort, ohne Schutz – er schneidet tief in die Seele. Zuerst rückt es in den Hintergrund. Aber egal, wie klein ein Schatten ist – je dichter das Licht kommt, umso größer wird er. Und irgendwann steht er neben dir. Und du kannst ihn nicht mehr übersehen. Also bleibst du stehen und siehst ihn an. Vielleicht mit einer kleinen Lampe. Vielleicht ohne. Du hörst zu, was er dir zu sagen hat. Und irgendwann wird dieser Schatten kleiner. Und aus der Wunde wird eine Narbe. Eine Narbe bleibt. Aber eine Narbe tut nicht mehr weh.
Nicht alles kann geheilt werden – manches darf einfach verstanden werden.